Hightech für die Bibel
Feinste Gravuren kommen aus Hochdorf von Wolfgang Leonhardt
Absolute Präzision und beste Qualität waren schon Programm, als Günter Leonhardt vor 50 Jahren seinen Graveurbetrieb in Hochdorf bei Esslingen gründete. Damals ging es noch handwerklich mit viel Fingerspitzengefühl zur Sache. Heute sind unter der Leitung von Günther Leonhardts Sohn Wolfgang computergestützte Verfahren nicht mehr wegzudenken.
„Das war einmalig"
Mit modernsten Technologien fertigen 21 Mitarbeiter filigrane Stempel, Elektroden und Werkstücke aus Glas, Keramik oder Hartmetall sowie Werkzeuge für den Kunststoff-, Keramik- und Metallspritzguss. Die Kunden kommen aus dem Werkzeug- und Formenbau, der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt und der Medizintechnik. Bei der Bearbeitung des Werkstoffs Hochleistungskeramik zählt Leonhardt zu den gefragtesten Spezialisten im deutschsprachigen Raum. Mit seiner hochwertigen Bibel im aufwendig geprägten Messingeinband übertraf der Weltbild-Verlag alle Erwartungen:
Nur wenige Tage, nachdem die limitierte Sonderausgabe im Dezember 2005 in den Handel kam, war sie restlos ausverkauft. Der nach spätantiken und mittelalterlichen Vorlagen gestaltete Buchdeckel zeigt Szenen aus dem Leben Jesu und der Evangelisten. Solch eine filigrane Arbeit, in Messing gearbeitet, hatte es seit Jahrhunderten nicht mehr gegeben. Zunächst recherchierten die Spezialisten von Leonhardt die historischen Vorbilder und entwarfen den Bucheinband. Anschließend kümmerten sie sich auch um die „Massenproduktion" von mehreren Tausend Exemplaren. Dazu digitalisierten sie den entscheidenden Arbeitsgang, die Graveurarbeit, und ließen sie automatisch ausführen. Grundlage war ein eigens entwickeltes Verfahren, mit dem sie die 250 Gramm schwere und 0,3 Millimeter dicke Messingplatte für den Bibeleinband letztendlich prägten, anstatt sie zu gravieren. „Wir besitzen handwerkliches Geschick und Erfahrung im Umgang mit konventionellen Verfahren und verbinden beides mit neuesten Technologien", beschreibt Geschäftsführer Wolfgang Leonhardt das technologische Profil des Unternehmens. „Das Bibelprojekt war einmalig, so etwas gehört nicht zu unserer typischen Tagesarbeit."
Zukunftsmarkt Keramik
Außergewöhnlich ist das Spektrum der Bearbeitungstechnologien, über die das Unternehmen verfügt. Leonhardt besitzt zum Beispiel die einzige Laserabtragsmaschine in Baden-Württemberg. Sie dient zur präzisen Herstellung filigranster Bauteile und feinster Gravuren: Reliefs, Stempel oder vertiefte und erhabene Beschriftungen auch auf zylindrischen Bauteilen. Diese Technologie kommt vor allem bei sehr harten, nicht leitenden und hoch temperaturfesten Materialien wie Wolfram, Molybdän oder Keramik zum Einsatz. „Ein computergesteuerter, gepulster Laser brennt das Werkstück Schicht um Schicht aus dem Material. Dieses schmilzt dabei nicht, sondern verdampft im Laserlicht", erklärt Wolfgang Leonhardt. Sogar viele der beliebten Überraschungs - ei-Figuren bringt der Leonhardt-Graveurbetrieb in Form. Zu den Leonhardt'schen Spezialitäten gehört zweifelsohne das 5-Achs-Simultanfräsen, etwa von komplexen Teilen aus der Medizintechnik wie künstlichen Kniegelenken aus Keramik. „Wir haben uns frühzeitig den Zugang zum Werkstoff Keramik erarbeitet", sagt Wolfgang Leonhardt. Mit seiner Begeis terung für das Potenzial des Materials steckte er seinen langjährigen Freund Wolfgang Burger an, einen promovierten Chemiker und Experten für Hochleistungskeramiken. Die beiden beschlossen, ein Schwesterunternehmen zu gründen, um auch die Technologieberatung und die anwendungsgerechte Entwicklung neuer Materialien selbst zu betreiben. Seit 2005 entwirft die OxiMaTec GmbH, ebenfalls in Hochdorf ansässig, nun neue Keramikwerkstoffe, Prototypen und Kleinserien. Erfolge kann sie bereits bei Instrumenten für die minimalinvasive Chirurgie verzeichnen. Diese bestanden vorher aus Edelstahl oder Titan, der von OxiMaTec neu entwickelte Keramikwerkstoff verfügt aber über eine wesentlich bessere Bruchzähigkeit und ist außerdem biokompatibel.
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Artikel Deutsche Handwerkszeitung Dez. 2009 (256.62 kB)
Quelle: Deutsche Handwerkszeitung Dez. 2009